Eigenes Unternehmen an einen großen Konzern weiterverkaufen
Eigenes Unternehmen an einen großen Konzern weiterverkaufen: Chancen und Hintergründe
Die Entscheidung, das eigene Unternehmen an einen großen Konzern weiterzuverkaufen, stellt für viele Unternehmer einen bedeutsamen strategischen Schritt dar. Sie dient nicht nur der finanziellen Absicherung, sondern auch der Sicherstellung des Fortbestands des Unternehmens. Um dabei erfolgreich zu agieren, ist es wichtig, die Beweggründe und Erwartungen großer Konzerne zu verstehen, die in Startups investieren oder diese akquirieren.
Marktentwicklung und Bedeutung von Fusionen und Übernahmen
Die Welt der Fusionen und Übernahmen (M&A) befindet sich in einem dynamischen Wandel. Im Jahr 2018 wurde ein Handelsvolumen von 3,2 Billionen US-Dollar prognostiziert – ein absoluter Rekordwert, der den Vorjahreswert von 2,6 Billionen US-Dollar deutlich übersteigt. Diese Entwicklung spiegelt einen fundamentalen Wandel in der Wirtschaft wider. Wettbewerb, technologische Innovationen und die zunehmende Globalisierung haben die Geschäftsmodelle maßgeblich verändert.

Während früher der Unternehmensaufbau häufig mit eigenen Wachstumsprozessen verbunden war („Build to grow“), hat sich der Trend immer stärker hin zum Zukauf vorhandener Unternehmen („Buy to grow“) verschoben. Insbesondere große Industrie- und Handelskonzerne – nicht nur in der Technologiebranche – verfolgen diese Strategie, um schnelles Wachstum zu erzielen und ihre Wettbewerbsfähigkeit auch auf internationalen Märkten sicherzustellen.
Die Motivationen großer Konzerne: Sechs zentrale Gründe für den Aufkauf von Startups
Die Beweggründe großer Unternehmen, Startups zu kaufen, sind vielfältig und sollten von Verkäufern genau verstanden werden, um den Verkaufsprozess erfolgreich zu gestalten. Die Unternehmer und ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Courtney und Carter Reum haben sechs Hauptgründe identifiziert, warum Konzerne besonders an Übernahmen interessiert sind:
- Talent: Häufig stehen nicht nur Produkte oder Technologien im Fokus, sondern auch die Führungs- und Managementfähigkeiten der Gründer. In manchen Fällen wurde die Übernahme durchgeführt, um das Know-how und die Persönlichkeit der Gründer in das größere Unternehmensumfeld einzubringen. Dies kann die Leitung einer größeren Abteilung oder sogar der Ausbau des Management-Teams umfassen.
- Plattform: Große Konzerne überlassen bei Übernahmen oft die Plattformen der Startups eine zentrale Rolle. Ein prominentes Beispiel ist der Kauf von LinkedIn durch Microsoft für 26 Milliarden US-Dollar. LinkedIn entwickelte sich von einem reinen beruflichen Netzwerk zu einer umfassenderen Plattform durch den Erwerb von Pulse, einer weiteren sozialen Publikationsplattform. So konnte die Plattformstrategie weitreichend ausgebaut werden.
- Technologie: Der Erwerb innovativer Technologien ist eine der offensichtlichsten und häufigsten Motivationen. Statt selbst viel Zeit und Ressourcen in interne Forschung und Entwicklung zu investieren oder externe Berater zu engagieren, kann ein großer Konzern durch eine Übernahme innerhalb kurzer Zeit Wachstum erzeugen. So wurden beispielsweise bei Dell Computers nach der Übernahme von EMC im Jahr 2016 binnen eines Jahres 10.000 neue Geschäftskunden gewonnen.
- Markenimage: Mit dem Weiterverkauf eines Unternehmens wird auch dessen Markenimage übernommen. Große Konzerne profitieren hierbei vom aufgebauten Sympathiekapital des Startups sowie den vorhandenen Vertriebs- und Kundenbeziehungen. Dabei ist die Bindung und Loyalität der Kunden ein entscheidender Faktor.
- Marktzugang: Der Zugang zu neuen oder aufstrebenden Märkten ist für viele Konzerne eine wichtige Überlegung. Startups verfügen oft über detaillierte Zielgruppenkenntnisse und sind in der Lage, jüngere Generationen wie die Generation Y anzusprechen. Dadurch eröffnen sich für den Konzern neue Vertriebsmöglichkeiten und er kann beispielsweise in den asiatischen Markt oder andere Wachstumsregionen expandieren.
- Vertriebsmodell: Ein weiteres Argument stellt das Vertriebsmodell dar. Unilever investierte zum Beispiel eine Milliarde US-Dollar in den Dollar Shave Club, um mit Konkurrenten wie Gillette zu konkurrieren. Das Direktvertriebsmodell des Dollar Shave Club und die hohe Kundenbindung führten zu einem Umsatzwachstum von über 47 % zwischen 2015 und 2016.
Vorbereitung auf den Unternehmensverkauf: Was Unternehmer wissen sollten
Der erfolgreiche Weiterverkauf eines Unternehmens an einen großen Konzern verlangt eine sorgfältige Vorbereitung und strategische Ausrichtung. Die Kenntnis der Erwartungshaltungen und Prioritäten potenzieller Käufer erleichtert die Positionierung des Unternehmens und die Argumentation für dessen Wert.
Zudem sollte der Unternehmer die eigene Unternehmensstrategie und Marktposition klar darlegen können, um die oben genannten sechs Argumente überzeugend vorzutragen. Dies umfasst auch die Pflege von Kundenbeziehungen, den Nachweis technologischer Innovationen sowie die Darstellung der eigenen Führungsqualitäten.
Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte der Unternehmensübertragung in der Schweiz
Unternehmer in der Schweiz, die den Verkauf oder die Übertragung ihres Unternehmens planen, sind mit einer spezifischen gesetzlichen Rahmenordnung konfrontiert. Dabei gilt es, sowohl steuerliche als auch haftungsrechtliche Aspekte zu beachten. Die Unternehmensübertragung muss transparent und sorgfältig dokumentiert werden, um spätere Konflikte zu vermeiden.
Dabei ist es ratsam, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um den komplexen Prozess von der Bewertung über die Vertragsgestaltung bis zur endgültigen Transaktion rechtssicher zu begleiten.
Fazit: Strategischer Schritt zum Unternehmensverkauf
Das Weiterverkaufen des eigenen Unternehmens an einen großen Konzern ist ein strategisch bedeutender Schritt, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Großkonzerne verfolgen mit ihren Übernahmen klare Ziele, die meist über den reinen Kauf von Produkten und Dienstleistungen hinausgehen. Managementkompetenzen, technologische Innovationen, Marktzugang und Vertriebskonzepte stellen zentrale Werte dar, die beim Verkaufsprozess berücksichtigt werden sollten.
Für Unternehmer in der Schweiz empfiehlt es sich, den Verkaufsprozess frühzeitig und mit professioneller Unterstützung zu planen, um den Mehrwert ihres Unternehmens für potenzielle Großabnehmer überzeugend darzustellen und optimale Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Übertragung zu schaffen.
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